Zauberhaft: Wie bindet man einen Reisigbesen?

03.02.2020 10:37

Dem Reisigbesen haftet etwas Zweideutiges an. Zum einen diente er generell zum Kehren von Stube, Hof und Straße. Zum anderen kehrten bereits im alten Rom die Hebammen nach einer Geburt die Türschwellen des Hauses, um böse Geister von Mutter und Kind fernzuhalten. Einen solchen Besen sein Eigen zu nennen ist also in jedem Fall nicht schlecht.

Inhaltsverzeichnis 


Reinigungsgerät oder Kultgegenstand?

Manche sagen, dass kein Besen besser kehre als ein Reisigbesen. In München wurden 856 Jahre lang die Straßen erfolgreich mit Reisigbesen gefegt – erst 2014 wurden sie durch die moderne Plastikborstenbesen ersetzt.

Aber: Der Besen gehört zur klassischen “Hexenausrüstung” unbedingt dazu. Ihm wurden Zauberkräfte zugeschrieben: Etwa, dass Hexen auf ihm fliegen könnten. Oder nehmen wir Goethes Zauberlehrling, der mit dem eigenwilligen Besen seine liebe Not hatte. Wenn zu Fasching oder Halloween viele kleine Zauberer und Hexen mit ihrem eigenen Besen unterwegs sein wollen, was liegt näher, als sich einfach einmal in dem alten Handwerk des Besenbindens zu versuchen?


Welche Materialien benötigt man für einen Reisigbesen?

  • Reisig: Am besten funktioniert ein Besen, in den verschiedene Reisigarten in unterschiedlichen Stärken gebunden sind. Sehr gut geeignet sind Birkenreisig und Weidenäste in Verbindung mit Heidelbeerzweigen.
  • Besenstiel: Den Stiel kann man neu kaufen, man kann einen alten (von einem ausgemusterten Besen) verwenden – oder man fertigt ihn aus einem Stock selbst an. Hier empfehlen sich Fichten-, Hasel- oder auch Weidenstangen.
  • Draht und Schnur
  • Messer, Gartenschere und Drahtschneider
  • Spanngurt oder Spannhilfe

Für unsere Art des Besenbindens benötigen wir nur das hier zu sehende Werkzeug: Messer, Schere, Schnitzmesser oder Zieheisen, als Stichling einen Nagel und eine selbst gebaute Spannhilfe.


Anleitung zum Besenbinden


Schritt 1 – Vorbereitung

Das Reisig wird auf eine Länge von etwa 50 bis 60 Zentimetern vorgeschnitten. Anschließend fertigt man kleinere Reisigbündel an, indem man eine Handvoll Reisig vom dickeren Ende aus bis zu den Spitzen hin leicht miteinander verdrillt.

Tipp: Um zu verhindern, dass die Reisigbündel während des Bindens brechen, kann man sie in Wasser einweichen.


Schritt 2 – Zusammenbinden

Die vorbereiteten Reisigbündel können nun zu einem Besen zusammengefasst werden. Dafür wird zunächst ein Ende des Drahtes im Abstand von einer Handbreit vom hinteren (dickeren) Ende um eines der Bündel gewickelt und fixiert. Anschließend werden die übrigen Reisigbündel nacheinander um dieses Bündel herum angeordnet, bis der Besen den gewünschten Umfang erreicht hat.


Schritt 3 – Fixieren unter großer Spannung

Damit der Besen richtig fest bleibt und sich nicht wieder lockert, benötigt man zum endgültigen Zusammenbinden der Reisigbündel eine möglichst große Spannung. Dafür gab es früher das Hilfsmittel des “Wolfsrachens”. Da dieser heutzutage aber nur in den seltensten Fällen zur Verfügung steht, kann man sich des zeitgenössischen Spanngurtes bedienen. Das Reisig wird mit ihm fest zusammengezogen. Dann kann der Draht, der zuvor am ersten Bündel fixiert wurde, in mehreren Windungen fest um den Besen gewickelt werden.

Übrigens: Je fester das Reisigbündel zusammengespannt ist, umso besser hält der Besen.


Schritt 4 – Verspannung wiederholen

Wenn das Reisig sicher verspannt ist, sollte dieser Bindevorgang ein Stück weiter unten am Besen wiederholt werden. Je nach Besengröße muss die Verspannung mehrmals ausgeführt werden. Bei kleineren Besen genügen zwei Verspannungen des Reisigs. Größere Besen vertragen aber auch drei oder vier Verspannungen. Wer bei seinem Besen eine “natürliche Optik” anstrebt, kann den Draht kaschieren, indem er ihn mit Schnur umwickelt. Zum Schluss schneidet man die einzelnen Zweige an beiden Enden gerade und gleichmäßig ab.


Schritt 5 – Besenstiel einsetzen

Damit ist der Reisigbesen beinahe fertig – nur der Stiel fehlt noch. Dieser sollte an einem Ende angespitzt werden und dann mit dieser Spitze nach vorn mittig in das Reisigbündel eingetrieben werden. Leichter geht es, wenn man den Stiel dabei etwas dreht. Wenn der Besenstiel etwa zehn Zentimeter tief im Reisigbesen – mindestens bis zur zweiten Weidenwicklung – sitzt, dann ist die Arbeit abgeschlossen und der Reisigbesen bereit für den ersten Einsatz.


Quellen

www.kulturverein-deberndorf.de
www.landwirt.com
www.sueddeutsche.de
www.youtube.com: Handgemacht Birkenbesen (BR)
www.youtube.com: Hexenbesen binden (Schmotzhand)

Werkzeug
Arbeitshandschuhe
Gartenbedarf
Arbeitskleidung

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