Sicherheitsgurte als Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung

Steve Tams
2021-06-15 14:15:00 /
Sicherheitsgurte als Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung - Wissenswertes über Sicherheitsgurte ► Blog
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Ein Großteil der Angestellten – zum Beispiel in Banken und Bekleidungsgeschäften, aber auch in Kraftwerken und Handwerksbetrieben – haben keine absolute Freiheit in Bezug auf die Wahl ihrer Kleidung. Die Arbeitskleidung ist mal einer bestimmten Klientel angepasst, mal soll sie werbend wirken – oft aber auch einfach nur absichern. So wie Sicherheitsgurte!

Inhaltsverzeichnis 


In welchen Berufen werden Sicherheitsgurte benötigt?

Bei der persönlichen Schutzausrüstung gibt es keine Kompromisse. Bei allen Arbeiten, wo eine Absturzgefahr gegeben ist und die technische (z.B. Geländer) oder organisatorische Absturzsicherung (z.B. Verbot, sich näher als 2 m von der Absturzkante entfernt aufzuhalten) nicht möglich ist, benötigen Arbeitnehmer die Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA). Zutreffende Berufe sind etwa Dachdecker, Gebäudereiniger und Schornsteinfeger, aber auch Monteure oder Landschaftsgärtner. Die gesetzlichen Regelungen dazu finden sich in der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz.


Sicherheitsgurte als Teil der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA)

Dabei werden Haltesysteme und Auffangsysteme unterschieden. Ein Haltesystem ist dazu gedacht, Belastungen und Gefährdungen bei der Arbeit zu reduzieren. Die Möglichkeit eines Absturzes muss hier ausgeschlossen sein – sobald diese Gefahr besteht, wird ein Auffangsystem benötigt, welches eine abstürzende Person sicher aufzufangen in der Lage ist. Auffanggurte müssen den gesamten Körper so unterstützen, dass er nach einem Absturz sicher gehalten wird.


Haltegurt-Systeme

Ein Haltegurt dient dazu, eine Person gegen die Schwerkraft in der gewünschten Arbeitsposition zu halten. Der Fachbegriff dafür heisst “Arbeitsplatzpositionierung”: Die Person wird an ihrem Arbeitsplatz gehalten und somit gegen Abrutschen oder einen Absturz gesichert.
Die zweite Funktion von Haltegurten ist das Rückhalten von Personen, d.h. sie verhindern, dass die Nutzer an bzw. über eine Absturzkante gelangen.

Haltegurte umschliessen den Körper an der Taille. Die Halteösen sind meist seitlich im Bereich des Beckenknochens angebracht. An einem Haltegurt befindet sich mindestens eine Halteöse zum Befestigen eines Verbindungsmittels zum Rückhalten. Zur Arbeitsplatzpositionierung muss ein Haltegurt mit zwei Halteösen ausgerüstet sein.

Zum Auffangen abstürzender Personen oder zur Rettung von Personen sind Haltegurte nicht geeignet, denn es besteht dabei die Gefahr von Wirbelsäulenverletzungen. Darum sind Haltegurte für diese Verwendung nicht zugelassen.


Auffanggurt-Systeme

Auffanggurte werden bei absturzgefährdeten Tätigkeiten getragen. Andere Begriffe dafür sind Anseilgurt oder auch Klettergurt, wenn sie beim Klettern und Bergsteigen getragen werden.
Der Auffanggurt besteht aus Gurtbändern, die den Körper umschließen. Im Falle eines Sturzes nimmt er die auftretenden Belastungen auf und verteilt sie auf mehrere stabile Stellen des Körpers. Die Halteösen befinden sich meist im Brustbereich oder zwischen den Schulterblättern.

Beim anschließenden Hängen im Seil darf die Blutzirkulation nur so wenig wie möglich eingeschränkt sein. Auch soll der Auffanggurt das Hängen in einer stabilen Gleichgewichtslage ermöglichen, so dass die Person auch dann einigermaßen schmerzfrei und sicher im Gurt hängt, wenn sie aufgrund von Bewusstlosigkeit oder einer Verletzung nicht selbst ihre Position verändern kann.

Der Auffanggurt muss der individuellen Körperform angepasst werden. Er ist dann richtig angelegt, wenn die flache Hand bis zu den Knöcheln noch zwischen Gurt und Körper passt. Am besten zeigt sich der richtige Sitz beim Hängeversuch.


Die unterschiedlichen Auffanggurt-Systeme

Bei Auffanggurten unterscheidet man zum einen nach der Anzahl der Auffangösen.

  • 1-Punkt-Gurte: haben eine Auffangöse vorn oder hinten;
  • 2-Punkt-Gurte: haben eine Auffangöse vorn und hinten;
  • 3-Punkt-Gurte: haben eine Auffangöse vorn oder hinten und zwei seitliche Halteösen; diese Halteösen dienen zur Arbeitsplatzpositionierung und haben keine Auffangfunktion;
  • 4-Punkt-Gurte: haben eine Auffangöse vorn oder hinten, zwei seitliche Halteösen und eine Steigschutzöse;
  • 5-Punkt-Gurte: haben eine Auffangöse vorn und hinten, zwei Halteösen und eine Steigschutzöse.

Weiterhin unterscheiden sich Auffanggurte durch ihre Polsterung in Gurte, die ausschließlich der Absturzsicherung dienen und daher keine aufwendige Polsterung benötigen, und in solche Gurte, die für das Arbeiten in hängender Position konstruiert sind. Diese besitzen eine sehr gute und breite Polsterung, um ein schmerzfreies Hängen über längere Zeit zu ermöglichen, und über verschiedene Anseilpunkte vorne, hinten und an den Seiten, um eine möglichst exakte Positionierung in den verschiedensten Lagen zu erreichen.


Quellen

publikationen.dguv.de
www.hfuknord.de
www.beuth.de
www.absturzpraevention-online.de

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