Kabelbinder: Praktische Helferlein!

23.10.2018 12:43

Jeder kennt sie, jeder nutzt sie: Die Rede ist von Kabelbindern. Mittlerweile gibt es sie in den verschiedensten Ausführungen, je nach Nutzung und die kleinen Helferlein sind vielerorts nicht mehr wegzudenken.

Die preisgünstigen Verbindungselemente sind fast überall einsetzbar und längst nicht mehr nur zur Bündelung und Befestigung von Kabeln im Einsatz. Genutzt werden sie beispielsweise auch zur provisorischen Montage, bei Verpackungen oder in speziellen Sonderausführungen mit integrierten Halterungen in der Industrie.

Gute Gründe, sich die Verwendungszwecke und die Geschichte der Kabelbinder etwas genauer anzusehen!

Inhaltsverzeichnis


Wer hat´s erfunden?

Nein, die Schweizer waren es diesmal nicht. Das erste Patent wurde am 1. Oktober 1954 in den USA von George M. Rapata, Mitarbeiter der Chicagoer Illinois Tool Works, angemeldet. Damit gilt er als Erfinder des Kabelbinders. Grund für die relativ späte Erfindung dieser einfachen Befestigungsmöglichkeit war vermutlich das bis dato fehlende Material Plastik als wesentliche Voraussetzung. Vier Jahre später brachte die Firma Thomas & Betts über das Patent von Maurus C. Logan am 24. Juni 1958 neuartige Kabelbinder auf den Markt, die aus Polyamid PA6.6 bestanden.


Weltweiter Durchbruch mit PA6.6

Das bis dahin verwendete PVC hat einige nachteilige Eigenschaften: So ist es beispielsweise wenig witterungsbeständig und altert schnell, sodass es spröde wird. Mit dem Einsatz von Polyamid PA6.6 kam für die Kabelbinder der Durchbruch. Diese Kunststoffverbindung wird allgemein auch als “Nylon” bezeichnet und ist vielfach eher als Material für Damenstrümpfe bekannt. Da “Nylon” ein Markenname des Unternehmens Du Pont ist, werden wir weiter von Polyamid PA6.6 sprechen.

Dieser Kunststoff verfügt über eine ganze Reihe von Eigenschaften, die für Kabelbinder und andere Befestigungsmöglichkeiten unter extremen Bedingungen und hohen Belastungen sehr positiv sind: Selbstverlöschend, flammhemmend und eine hohe Formbeständigkeit, auch bei hohen Temperaturen. Außerdem weist es eine hohe Abriebfestigkeit sowie eine ausgezeichnete Beständigkeit gegen Alkalien, Öle, Ölprodukte, Schmierfette und Chloratlösungsmittel auf.

PA6.6 ist das am meisten verwendete Material für Kabelbinder. Es gibt aber u.a. auch Modelle aus Polyurethan und Edelstahl.


Herstellung

Kabelbinder werden im so genannten Spritzgussverfahren hergestellt. Dazu wird flüssiges PA6.6 mit hohem Druck in einem Spritzgussform gepresst. Da das Material hygroskopisch, dass heißt wasserentziehend und -aufnehmend ist, verpacken Hersteller die frischen Kabelbinder oft mit einer Spur Wasser, damit das Material nicht versprödet. Das ist auch ein Tipp zur Lagerung: Bei einer Wassergehaltssättigung von 2,5% behalten Kabelbinder aus PA6.6 ihre flexiblen und stabilen Eigenschaften. Ansonsten lassen sich diese auch wiedeherstellen, wenn man die Kabelstrapse für 30 – 60 Minuten wässert.


UV-Beständigkeit

Da Kabelbinder auch im Außenbereich zum Einsatz kommen können, empfiehlt es sich, in solchen Fällen UV-beständige Varianten zu nutzen. Kunststoff wird durch den Zusatz von Rußpigmenten UV-resistent. Auch wenn in normalen Kabelbindern aus Polyamid ein kleiner Rußanteil vorkommt, reicht dieser nicht aus, um den Kunststoff vor der UV-Strahlung zu schützen. Um dies zu gewährleisten, muss der Kabelbinder mit mindestens einem Rußanteil von 2% gefertigt werden. Dieser Werkstoff ist dann witterungsbeständig und heißt PA6.6W.


Wie verwendet man Kabelbinder?

Natürlich kann man Kabelbinder händisch verwenden: Man schlauft das Ende des Binders durch die Öffnung im Kopf und fixiert den Kabelbinder bis zum gewünschten Punkt. Oder man nutzt eine Kabelbinderzange. Das Gerät sieht aus wie eine Spielzeugpistole und ist sowohl für Kunststoff- als auch für Metallkabelbinder zu finden. Der Kabelbinder wird in die vorgegebene Öffnung gelegt und und spannt danach den Binder bis zum gewünschten Punkt. Anschließend kann das überstehende Band bündig abgeschnitten werden.


Wie werden Kabelbinder geöffnet?

Normalerweise können Kabelbindern nur geöffnet werden, wenn man sie zerstört, also beispielsweise zerschneidet. Es gibt allerdings auch wiederverwendbare Kabelbinder. Hier kann der Binder durch ganz unterschiedliche Hebelmechanismen wieder aus dem Verschlusskopf herausgezogen werden. Bei diesen lösbaren Kabelbindern ist jedoch die Zugkraft geringer als bei den Standardvarianten.


Mindestbelastung von Kabelbindern

Die Zugkraft von Kabelbindern wird in Tests überprüft. Anschließend wird die Belastbarkeit in Newton angegeben, bei der ein Kabelbinder reißt. Beispielsweise hält ein Kabelbinder bei einer Belastbarkeit von 225 N etwa 22,9 kg aus. Die Mindesthaltekraft wird angegeben.

In Sachen Temperaturbelastung halten die meisten Kabelbinder aus Polyamid problemlos bis zu 85 °C aus. Wenn diese Temperatur kurzzeitig auf maximal 110 °C steigt, bleibt der Binder ebenfalls noch stabil. Bei einer längeren Hitzeeinwirkung verformt er sich jedoch, was wiederum seine Funktion behindert. Die wirkliche Schmelztemperatur von den meisten Kabelbindern liegt bei 256 °C.


Weitere Einsatzmöglichkeiten

Den altbekannten Sinn hinter den Kabelbindern verrät ja – wie schon anfangs erwähnt – bereits der Name. Aber Kabelbinder sind auch jenseits der Ordnung vom Kabelsalat häufig in Benutzung. Insbesondere bei der Polizei bzw. bei SEKs sieht man die kleinen Plastik-Straps immer häufiger im Einsatz.

Das rührt daher, dass sie viele Vorteile mit sich bringen: So sind sie zunächst einmal wesentlich leichter und handlicher als normale Handschellen und können darum in größeren Mengen bei Großveranstaltungen mitgeführt werden. Kommt es dann zu Verhaftungen mehrerer Personen, sind sie schnell zur Hand. Die auch als “Einweghandfesseln” bezeichneten Kabelbinder sind im Vergleich zu Handschellen aus Metall auch weniger leicht zu knacken. Ein Gefesselter kann sich eigentlich nicht selbstständig daraus befreien.



Arten von Kabelbindern


Einwegkabelbinder

Diese Variante kennt fast jeder: Die Plastikbinder verfügen über eine Verzahnung, die durch den Kopf zugezogen wird. Einmal benutzt, lassen sie sich in der Regel nur über Zerstörung wieder entfernen. Pfiffige Zeitgenossen schaffen es aber, die Kunststoffzunge im Kopf des Kabelbinders beispielsweise mit einer Nadel zu öffnen und zu entriegeln.


Doppelkopfkabelbinder

Tatsächlich hat der Doppelkopfkabelbinder eine doppelte Öffnung im Kopf, durch die beide Enden des Binders gezogen werden können. Mit der entstandenen zweifachen Schlaufe können zwei Objekte miteinander verbunden werden.


Kabelbinder mit Edelstahlzunge

Auch diese Variante stammt von “Thomas & Betts”. Die Edelstahlzunge schneidet sich in das Kunststoffband und rastet extrem fest ein. Daher sind Kabelbinder dieser Art sehr zugbeständig und nur durch Zerstören zu entfernen.


Mehrwegkabelbinder

Um das Problem der Einmal-Verwendung zu lösen, sind die Mehrwegkabelbinder entwickelt worden. Sie lassen sich mit einer Entriegelung wieder öffnen und sind aus diesem Grund nicht für hohe Belastungen geeignet.


Hitzebeständige Kabelbinder

Um eine Hitzebeständigkeit bis zu 145° C zu erreichen, wird dem PA6.6 meistens Phosphor beigemischt. Das verursacht auch die meist grünliche Farbe. Ob die Kabelbinder leuchten, ist nicht bekannt.


Schwerlast-Kabelbinder aus Edelstahl

Edelstahl hat als Material für Kabelbinder entscheidene Vorteile, wenn sie an schwer zugänglichen Orten verwendet werden. Zum einen halten diese Kabelstrapse eine wesentlich höhere Zugbelastung aus und zum anderen sind sie sehr UV- , korrisions- und witterungsbeständig. Trotz der wesentlich höheren Herstellungskosten werden sie daher beispielsweise im Bergbau oder in der chemischen Industrie verwendet, wo sie sich nur schwer oder gar nicht austauschen lassen. Der Verschluss ist endgültig und nicht mehr zu öffnen, da ein kleines Kügelchen sich im Kopf des Kabelbinders stark verkeilt.


Elastische Kabelbinder aus Polyurethan

Diese hochelasthischen Kabelstrapse werden gerne bei sensibeln Kabelbündeln oder auch in der Forst- und Landwirtschaft zum anbinden von Pflanzen verwendet. Die wiederverschließbaren Kabelbinder mit Doppelkopfbindung sind sehr universell wenn es um schnelles Arbeiten und Lösen von Verbindungen geht. Allerdings ist der Preis aufgrund der umfangreicheren Herstellung deutlich höher.


Blitzbinder

Die detektierbaren Blitzbinder sind eine Erfindung und eingetragenes Warenzeichen der Württembergischen Allplastik GmbH. Dem Kunststoff ist ein gewisser Metallanteil beigemischt, so dass selbst kleinste Bruchstücke detektierbar sind. Eingesetzt werden die detektierbaren Blitzbinder überwiegend in der Lebensmittelindustrie. Aber auch in der Tierfutterherstellung und in der pharmazeutischen und chemischen Industrie werden sie verwendet. Überall da, wo man das strenge HCCP*-System zur Kontrolle von Verunreinigungen anwendet.


Quellen:

de.wikipedia.org/wiki/Kabelbinder
www.faz.net/…/kabelbinder-auf-ewig-festgezurrt…
www.ien-dach.de/…/60-jahre-blitz-und-kabelbinder-aus-baden-wuerttemberg/
www.kabelbinder-discount.de/Spezial-Kabelbinder/Detektierbare-Kabelbinder/…
www.multimerx.de/…/alles-rund-um-den-kabelbinder/
www.hellermanntyton.de/…/Kapitel1.1Kabelbinder(3).pdf
www.vr-technics.ch/…/wann-schmilzt-ein-kabelbinder.php

Dies könnte Sie auch interessieren:
Schwerlast-Kabelbinder aus Edelstahl
Wenn es heiß hergeht: Hitzebeständige Kabelbinder
Kabelbinder so schnell wie der Blitz: Blitzbinder

Kommentar eingeben